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Das Abendmahl

Unsere Evangelische Kirche kennt zwei Sakramente. In einem Sakrament kommen ein bestimmtes Wort Jesu, das uns in der Bibel überliefert ist, und ein Zeichen, eine zeichenhafte Handlung zusammen. Das Wort deutet das Zeichen, und alles zusammen, das Sakrament, kann das eigene Leben deuten und umfangen und tragen.

Das eine Sakrament ist die Taufe, das andere ist das Abendmahl. Vor der Austeilung des Abendmahls werden diese Worte gesprochen: „Wenn wir das Abendmahl feiern, dann erinnern wir uns an die Nacht, in der Jesus verraten wurde: Da nahm er das Brot, dankte, brach es, gab es seinen Jüngern und sprach: Nehmt hin und esst alle davon. Dies ist mein Leib, der für euch dahingegeben wird. Genauso nahm er den Kelch nach dem Mahl, dankte, gab ihnen den und sprach: Nehmt hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung eurer Sünden; solches tut, so oft ihr’s trinket, zu meinem Gedächtnis.“ (vgl. 1. Korinther 11,23-25)

Brot und Wein - Was wir beim Abendmahl feiern

Konfirmandinnen und Konfirmanden haben darüber nachgedacht, was das Brot und der Wein bedeuten:
„Brot ist ein Symbol.
Es bedeutet mehr als nur Brot.
Brot bedeutet auch satt sein.
Dass niemand mehr hungert
Brot bedeutet zusammenkommen.
Gemeinschaft und Freundschaft
Teilen.
Teilen vom Brot, aber auch Teilen von Glück und Lebensfreude.
Brot kann dafür stehen, dass die Eltern mit einem zusammen das Brot einnehmen,
dass wir also gemeinsam am Tisch sitzen und essen und erzählen und alles machen, was dazu gehört.Brot bedeutet Leben.

Auch der Wein ist ein Symbol.
Er bedeutet mehr als nur Wein.
Wein erinnert an Berge und Sonne.
Er ist das Zeichen für eine gute Ernte.
Niemand muss mehr Durst haben.
Zum Wein gehört die Gemeinschaft.
Der Kelch wird geteilt - wie das Brot.
Zum Wein gehört das Fest.“

Beim Abendmahl gibt es also das Wort und die Zeichen - Brot und Wein -, es gibt die Erinnerung an den letzten Abend Jesu mit seinen Freunden, es gibt die Sehnsucht nach allem, was den Hunger und Durst stillt, es gibt die Gemeinschaft. Doch das Abendmahl ist noch viel mehr. In manchen evangelischen Gottesdiensten und in allen katholischen Messen wird, wenn alle das Brot empfangen haben und in der Hand halten, dieser Satz gesprochen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“ (vgl. Matthäus 8,8) Wir dürfen glauben: Beim Abendmahl ist Gott ganz gegenwärtig, in all seiner Fülle und seiner Liebe und seiner Kraft. Zugleich ist mein eigenes Leben ganz gegenwärtig, mit allem, was war und was ist. Im Abendmahl berührt Gottes ganzes Heil mein ganzes Leben.
Wie es das tut, das kann bei jedem Menschen unterschiedlich sein. In der Tradition und in den Einsetzungsworten (s.o.) spielt die Vergebung eine besondere Rolle. Und dies kann wirklich so sein: dass Menschen das Abendmahl als das Zeichen, die Handlung, die Geste Gottes erleben, in der ihnen vergeben wird. Manche nehmen das Abendmahl zum Anlass, auf Menschen, mit denen sie es nicht leicht haben oder umgekehrt und die vielleicht sogar mit ihnen gemeinsam das Abendmahl feiern, neu zuzugehen, die Versöhnung zu suchen. Wie auch immer: Wann immer jemand im Abendmahl das Heil Gottes erfährt, schmeckt und sieht, wie freundlich der Herr ist, so kann das Abendmahl Nahrung werden für Leib und Seele, Wegzehrung für das Leben und Sterben, eine Kraftquelle für Glauben, Hoffen und Lieben.

Das Abendmahl in der Lebensgeschichte

einer Frau aus unserer Gemeinde

Es ist der 4. Sonntag im Januar 2009, ein ganz gewöhnlicher Sonntag und nicht der 2. Sonntag im Monat, an dem wir planmäßig das Abendmahl feiern.
Nach der Predigt über den Hauptmann von Kapernaum feiern wir nach kurzer Liturgie miteinander das Abendmahl, Menschen unterschiedlichsten Alters, Russlanddeutsche und Einheimische, Frauen und Männer aus unserer Gemeinde und Gäste.
Wir stehen in einem großen Kreis, die heutige Lektorin teilt das Brot aus, unsere Pfarrerin den Wein. Einige essen das Brot und trinken aus dem Kelch, andere tunken das Brot in den Wein, ehe sie beides zusammen zu sich nehmen. Die Lektorin reicht beides der Pfarrerin und diese beides der Lektorin. Als eine Gemeinschaft reichen wir alle uns die Hände und hören gemeinsam auf Gottes Zusage, die unsere Pfarrerin uns mitgibt.
Vielleicht denken Sie, so ist es immer, bei uns auch, vielleicht stellen Sie Unterschiede fest.

Ich denke zurück: Über 50 Jahre nehme ich am Abendmahl teil, was hat sich in der Zeit alles verändert!
Ich lernte das Abendmahl kennen als eine eigenständige Feier (manchmal auch im Anschluss an den Gottesdienst) bestehend aus Beichte und Abendmahl, 2x im Jahr - Karfreitag und Buß- und Bettag, alle möglichst schwarz oder jedenfalls dunkel gekleidet, alle setzten ihr Hüte ab, alles sehr ernst und eher traurig als fröhlich. In manchen Gemeinden saßen Frauen und Männer, wie im Gottesdienst auch, getrennt auf ihrer Kirchenseite, d.h. Ehepaare gingen auch getrennt zum Abendmahl. In einigen (evangelischen!) Gemeinden musste man sich am Tag vorher oder auch am Sonntagmorgen beim jeweiligen Pfarrer zum Abendmahl anmelden, eventuell kombiniert mit einer Einzelbeichte und der nachfolgenden Teilnahme-Entscheidung des Pfarrers.
Ausschlussgründe waren u.a.: Karneval feiern, unverheiratet zusammenleben, katholische/r PartnerIn und anderes mehr. Betroffene nahmen dann mitunter lange Wege auf sich, um in einer „liberaleren“ Gemeinde das Abendmahl - ohne Anmeldung - mitfeiern zu dürfen.

Als Nächstes erinnere ich, dass parallel zur separaten Abendmahlsfeier auch der Sakramentsgottesdienst eingeführt wurde, d.h. die Beicht- und Abendmahlsfeier wurde innerhalb des Gottesdienstes gefeiert. Da die Feier mit einem längeren Lied eingeleitet wurde, konnten Menschen, die nicht daran teilnehmen wollten, den Gottesdienst noch rechtzeitig verlassen. Davon wurde rege Gebrauch gemacht, zumal mit dieser Form die Häufigkeit der Abendmahlsfeiern im Kirchenjahr zunahm, – von 2x auf z.B. 4x im Jahr.
Von der Beichte konnte früher, so habe ich es erlebt, nur in schweren Krankheitsfällen abgesehen werden, wenn der Patientin/dem Patienten das Sprechen schwer fiel, er/sie aber (noch) um das Abendmahl gebeten hatte.

Im Laufe der Zeit erlebte ich weitere Variationen, je nach theologischem Bekenntnis, Landeskirche und Gemeinde: Keine Einzelbeichte, ein gemeinsames Sündenbekenntnis - gesprochen vom Pfarrer, mit einem „Ja“ von der Gemeinde bestätigt -, ein gemeinsames Gebet oder ein Lied.
Der Wein wurde durch Traubensaft ersetzt, um kranken Menschen die Abendmahlsteilnahme zu ermöglichen.
Der Wein wird in einem großen Kelch, in kleineren Kelchen für 4-6 Personen, in Einzelkelchen oder als Intinctio ausgeteilt.
War die Abendmahlsausteilung früher selbstverständlich nur den ordinierten Pfarrern vorbehalten, ist es heute auch durch PrädikantInnen, LektorInnen oder AbendmahlsteilnehmerInnen gegenseitig möglich.
Die AbendmahlsteilnehmerInnen bilden eine Gemeinschaft, indem sie im Halbkreis vor oder im Kreis um den Altar nebeneinander stehen, oder sie verstärken die Gemeinschaft untereinander und reichen sich während des Zuspruches die Hände.
Die jeweilige Pfarrerin stellt sich mit in die Gemeinschaft hinein oder nicht.
Die Kleidung spielt keine Rolle mehr, schwarz oder bunt, Hose oder Rock, Stiefel oder Turnschuh; eine Gewissens-, Lebens- oder Zugehörigkeitsprüfung durch einen anderen Menschen findet nicht mehr statt, eine persönliche Vorbereitung bleibt jedem unbenommen.
Wir können das Abendmahl in unseren Gottesdienst integrieren so oft wir es wollen: einmal, zweimal im Monat, an Festtagen, täglich.

Heute denke ich, es gibt Variationen des Feierns aus unterschiedlichen Gründen, sie haben Bestand. Manches an Formen und Äußerlichkeiten hat sich, wie anderes in unserem Leben auch, durch zeitgeschichtliche Entwicklungen verändert, sie sind nicht das Entscheidende.
Doch jede und jeder ist eingeladen, das Abendmahl mit Freude mitzufeiern. Alle dürfen Gottes Einladung folgen, so wie sie sind, wie sie fühlen und denken, wie sie es für sich jetzt brauchen und ihre Begegnung mit dem dreieinigen Gott erleben: als persönliche Wertschätzung, als Vergebung oder als Entlastung von persönlichem Zweifel, Angst, Gewissensbissen oder Last, als Stärkung in besonderen Situationen oder als Gemeinschaft mit und Zugehörigkeit zu vielen Menschen.

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